Ein Kabarett-Solo von und mit Lisa Politt
„Gott der Herr hat 7 Zähne – von der Überlegenheit der westlichen Zivilisation“ ist ein Soloabend von und mit Lisa Politt und die nunmehr 15. Produktion von „Herrchens Frauchen“.
Musikalische Mitarbeit: Jo Jacobs und Gunter Schmidt
Lisa Politt ist die einzige Frau mit den beiden hierzulande wichtigsten Preisen für Kabarett: Dem Deutschen Kabarettpreis und dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett
Kein Zweifel: Aus Frau Dr. Semisch- Brendel hätte etwas ganz Großes werden können. Und wenn der linke versager Portzner ihr damals an der Uni den Forschungsauftrag nicht vor der Nase weggeschnappt hätte, dann hätte das mit ihrer Karriere auch sicher geklappt. - Nicht, dass sie heute unzufrieden wäre: Sie ist damals schwanger geworden, ihre Familie erfüllt sie mit privatem Glück, und ihre Seminare für einbürgerungswillige Ausländer geben ihr das sichere Gefühl, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Nur Mitmenschen mit eindeutig böser Absicht können behaupten, sie würde den Frust über ihren eigenen Misserfolg an ihren Schülern auslassen...
Als Soziologin freut sie sich natürlich mehr auf die Vermittlung der deutschen Kultur und Werteordnung als auf die 300 Stunden Sprachunterricht. Gerade als als sogenannte Alt- 68erin, die die linken Hirngespinste ihrer Generation heute als Irrweg erkannt hat, weiß sie, dass an den alten preussischen Werten eben doch etwas dran ist. Deswegen muss sie sich auch nicht verstellen, wenn sie diese Werte an ihre Kursteilnehmer vermittelt – sie ist, wenn auch nicht unkritisch, im Großen und Ganzen von ihnen überzeugt. Und sie ist auch überzeugt davon, dass sie mit ihrer inneren Haltung, ihrem lockeren Umgangston und ihrer engagierten und zupackenden Art zu den beliebtesten Lehrern des Kollegiums gehört.
Von falsch verstandener Toleranz hält sie nichts. Ihre Autorität, findet sie aber, muss sich legitimieren und überprüfen lassen durch Sachkenntnis; ihre Wertmassstäbe sind eingebunden in den westlichen Kontext. Sie hat nichts dagegen, diese Werte in Diskussionen mit den ausländischen Mitbürgern überprüfen zu lassen und lebt durch ihr eigenes engagiertes Beispiel deren Überlegenheit vor.
Sie ist überzeugte Humanistin und gerade deswegen für die Friedensmissionen der Bundeswehr- unserer internationalen Aufgabe, findet sie, müssen wir auch dann gerecht werden, wenn es für uns selbst und unsere Jungs mal unbequem wird.
Ihr Sohn hat sich neulich konfirmieren lassen. Freiwillig. Das hätte sie nie erwartet, wo er doch schon in den evangelischen Kindergarten und in die evangelische Schule gegangen ist. Wegen der Werte. Die ältere Tochter war in einer Integrationsklasse für Behinderte, wegen dem günstigen Lehrer- Schüler- Verhältnis; da hat sie schließlich auch in den sauren Apfel gebissen.
Sie hatte in der Jugend eine wilde Zeit, hat ihre Lehren aus den Irrtümern ihrer einstigen Überzeugungen gezogen, ist heute grundsätzlich mit sich und der Welt zufrieden und möchte auch anderen zu einer glücklichen Existenz verhelfen. Dazu muss sie manchmal sanften Druck ausüben, „...so wie ein Töpfer, der auch durch Druck auf sein Material diesem eine feste Form nach seinen Vorstellungen gibt.“ (Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter der Eliteschule „Salem“)
Kumpel ist sie aber auch, und als ihr die Zunge vom Raki des Kursteilnehmers Murat gelockert wird, der Geburtstag hat, da kommen Dinge zutage, die sie unter normalen Umständen wohl so nie geäußert hätte...
Eine böse Abrechnung mit dem politischen Scheitern der `68er- Generation, entlarvt anhand der schmerzhaft genauen Charakterstudie einer Anpassung predigenden Lehrerin.
Preise:
1991: Kleinkunstpreis (Förderpreis der Stadt Mainz)
2003: Deutscher Kabarettpreis
2005: Deutscher Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett
Kritik:
„Ein großartiges Solo“ (Hamburger Morgenpost)
„Lisa Politts Wertekanon: Ein ganz starkes (Solo-)Stück“ (Hamburger Abendblatt) |